Hausnamen

Wie auch in vielen anderen Orten im ländlichen Raum gibt es innerhalb des historischen Bromskircher Bebauungsgebiets sogenannte Hausnamen. Die Häuser besitzen also neben den offiziellen Familiennamen der Bewohner eine eigene, in den meisten Fällen vom aktuellen Familiennamen unabhängige Bezeichnung. Im allgemeinen Sprachgebrauch äußert sich das z.B. darin, dass beim Sprechen über eine Person nicht von „Maria Schnorbus“ oder „Gustav Wind“ gesprochen wird, sondern eben von „Schatzes Mariechen“ oder „Luddewigs Gustav“. Außerdem geht man in Bromskirchen „nach Anden“, wenn man Lebensmittel im Dorfladen kaufen will, oder „nach Bäckersch“, wenn man in die Schreinerei möchte.

Im Jahr 2010 hat der Verein Historisches und kulturelles Bromskirchen einheitliche Hausnamenschilder für die Häuser im historischen Bromskircher Bebauungsgebiet und auf der Pfütze beschafft.

Aktuelle Aktivitäten des Vereins im Bereich der Hausnamen liegen in deren Erforschung. Hierbei geht es eher weniger um die etymologischen Herleitung der heutigen Namen, der sich – in Kenntnis des örtlichen Dialekts – in vielen Fällen relativ rasch erschließt. Im Interesse stehen vielmehr die Zuordnung der einzelnen Hausnamen zu ihrem genauen Ursprung (meist einer Person, einer Örtlichkeit oder Gegebenheit) und damit auch ihr Alter, sowie ihre Dynamik. Zu vielen Hausnamen lassen sich sehr individuelle und ortsgeschichtlich interessante Geschichten erzählen.

Die Bromskircher Hausnamen sind – wie sich auch in den anderen Orten der Umgebung zeigt – ursprünglich keine Hausnamen, sondern Familienbezeichner. Wenn eine Familie z.B. umzog, nahm sie ihren Familienbezeichner in der Regel mit und das neue Haus wurde in der Regel nach einiger Zeit mit dem Familienbezeichner der neuen Familie bezeichnet. Auch durch Einheiraten konnten Hausnamen wechseln, da es sein konnte, dass die junge Familie nach dem Familienbezeichner der einheiratenden Person benannt wurde. Somit gibt für die uns heute statisch erscheinenden Hausnamen ungeschriebene, aus der Tradition entstandene, aber relativ undefinierte „Regeln“ nach denen sie entstehen, im Ort von Haus zu Haus wandern oder auch wieder aussterben.

Im 19. Jahrhundert oder zuvor wurden einige Bromskircher Hausnamen verschriftlicht. Einige wenige Verschriftlichungen finden wir in den Kirchenbüchern, weitaus häufiger treten sie jedoch in Dokumenten der politischen Gemeinde der damaligen Zeit auf. Der Grund für die Verschriftlichung war stets die Identifizierung der entsprechenden Person im Fall von nicht seltenen Namensgleichheiten. Diese Verschriftlichungen sind heute eine wichtige Quelle bei unseren Forschungen über die Bromskircher Hausnamen.

Die drei heute noch gebräuchlichen Hausnamen „Hessen“ (Nr. 103 Jacob Dornseif Hessen), „Fowersch“ (Nr. 104 Jacob Müller Faber) und „Gritten“ (Nr. 105 Daniel Müller Kritte) als Familienbezeichner auf einer Bromskircher Einwohnerliste aus dem Jahr 1837 (aus dem Gemeindearchiv Bromskirchen).

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