Renovierungsarbeiten in der St. Martinskirche

Im Juli 2025, Eric Mankel

Zwischen Januar und Dezember 2025 wurde unsere St. Martinskirche für den öffentlichen Zutritt gesperrt und einer Reihe von Renovierungsarbeiten unterzogen. Dazu war die gesamte Kirche von außen, aber auch innen eingerüstet. Die wertvollen Ausstattungsbestandteile im Innern wie Orgel, Kanzel und Altar waren eingehaust und so vor Beschädigungen geschützt worden. Auch die Glocken mussten während der Renovierungszeit schweigen. Eine Reihe von Fachfirmen wie Dachdecker, Zimmerleute und Restauratoren arbeiteten außen und innen.

Außeneinrüstung (li.) und Blick von der Männerbühne Richtung Kanzel (re.) im März 2025.

Doch was passierte eigentlich im und am Gebäude und was hatte diese umfangreichen Arbeiten notwendig gemacht? Äußerlich wurden Teile des Turms und das Dach des Schiffs mit einer neuen Schieferdecke versehen. Die Hauptarbeiten fanden jedoch weitgehend unsichtbar im Innenbereich statt, vor allem auf dem Dachboden.

Bereits seit mehreren Jahrhunderten sitzt der Dachstuhl auf den Außenmauern des Kirchenschiffs und des Chorraums. Aufgrund der Dachform wirken hierbei nicht nur Kräfte senkrecht von oben auf die Mauern. Es gibt auch horizontale Kräfte, die den Dachstuhl aufgrund seines eigenen Gewichts an der Mauerkrone nach außen drücken. Idealerweise werden diese Kräfte durch Verstrebungen zwischen beiden Seiten des Dachs abgefangen. An dem Dachstuhl unserer Kirche nagte allerdings der Zahn der Zeit. Die horizontalen Kräfte wirkten aufgrund von Balkenfäulnis direkt auf die Mauerkronen und drückten sie beständig nach außen. Die kurzfristigen Folgen waren bereits sichtbare Risse im Mauerwerk der Außenwände und im Gewölbe des Chorraums. Langfristig drohte eine Instabilität des gesamten Gebäudes.

Der Problematik wurd mit zwei Maßnahmen begegnet: Zum einen wurde in den Dachboden des Kirchenschiffs eine zweistöckige und aus mehreren Elementen bestehende Dreieckskonstruktion gezimmert, quasi ein innerer Dachstuhl im Dachstuhl. Diese Konstruktion stabilisierte nicht nur das bestehende Dach. Auch der Mittelbalken der fast 450 Jahre alte Kassettendecke des Kirchenschiffs wurde aus Stabilitätsgründen von oben an ihr aufgehängt.

Zum anderen wurde im Gewölbe des im Jahr 1704 errichteten Chorraums gearbeitet. Dort zeigten sich in den letzten Jahren rechts des zentralen Engelsgemäldes breite Risse im Putz. Auch hier drückten unerwünschte horizontale Kräfte das Gewölbe nach außen. Zur Behebung wurde das Gewölbe auf der Südseite der Kirche geöffnet, um seine Auflage auf der Außenmauer zu erneuern. Der weiße Querbalken über dem Altar wurde wieder so mit dem Widerlager verbunden, dass er die nach außen strebenden Kräfte aufnehmen und das Gewölbe in Zukunft wieder zusammenhalten kann.

Dreieckskonstruktion im Dachboden (li.) und geöffnetes Gewölbe im Chorraum (re.).

Neben den Maßnahmen am Dachstuhl und der Verschieferung wurde auch die Statik des Dachreiters während des Geläuts überprüft. Das Gebälk wurde dabei so versteift, dass die Übertragung von Schwingungen auf das Gebäude minimiert wird und möglichst wenig Resonanzen entstehen. Außerdem fanden kleinere Erhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten an den Wandverzierungen im Innern und an den Bleiverglasungen der Fenster statt. Eine umfassende Renovierung des Innenraums ist allerdings nicht erfolgt.

Die Bausumme war mit ca. 1 Mio. Euro veranschlagt worden. Ein Großteil der Kosten wird von unserer Landeskirche getragen, aber auch die Kirchengemeinde Bromskirchen leistet einen nennenswerten Beitrag. Die Gesamtsumme ist erheblich, wenn man bedenkt, dass sich das innere und äußere Erscheinungsbild der Kirche nach Abschluss der Arbeiten im Vergleich zu vorher nur unwesentlich verändert haben. Es muss uns jedoch bewusst sein, dass wir in Bromskirchen mit unserer St. Martinskirche und ihrer Ausstattung ein einzigartiges Kulturdenkmal besitzen, das nicht nur innerhalb unserer Landeskirche, sondern auch weit darüber hinaus einen außerordentlich hohen Bekanntheitsgrad genießt. Nicht nur deswegen können wir in Bromskirchen stolz auf unsere Kirche sein. Das Bauwerk ist darüber hinaus die historische Keimzelle unseres Ortes und bis heute das identitätsstiftende Gebäude in seiner Mitte. Für viele von uns birgt sie Erinnerungen in sich. Sie steht für Beständigkeit in unserem Ort, über viele Jahrhunderte hinweg. Sie ist ein ehrwürdiger Anker in einer immer lauter und hektischer werdenden Welt. Es ist daher unsere Aufgabe, dieses wunderbare Geschenk unserer Vorfahren nicht nur für uns, sondern auch für zukünftige Generationen zu bewahren und zu erhalten.

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