Ein Anliegen des Vereins ist es, die in Bromskirchen gesprochene Mundart (das „Brummeskerscher Platt“) zu pflegen und zu bewahren. Wie andere Mundarten im ländlichen Raum ist das Bromskircher Platt durch die Dezimierung der aktiven Sprecher vom Aussterben bedroht. Da dieser Trend vermutlich nicht umgekehrt werden kann, hat der Verein ein Wörterbuch und verschiedene Tondokumente erstellt, die im Buch „Zeitspuren in Bromskirchen“ und auf unserer CD „Querbeet“ publiziert wurden.
Hörproben
Hier wollen wir Ihnen drei Hörproben der Bromskircher Mundart vorstellen. Die Texte werden von Mitgliedern des Vereins gesprochen.
Audio 1: Der Odeleemer
Audio 2: Die Landfrau vor 60 Jahren
Audio 3: Der Ratz
Der Verein Historisches und kulturelles Bromskirchen e.V. besitzt für die hier publizierten Audiobeiträge sämtliche ausschließlichen, räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkten Nutzungsrechte an allen Verwertungsformen. Eine unerlaubte Verbreitung und Vervielfältigung sowie eine Bearbeitung der Beiträge – einschließlich der verwendeten Texte – ist untersagt.
Ein wenig Hintergrundwissen…
Die Entstehung der deutschen Sprache und die Katalogisierung der deutschen Mundarten sind von Linguisten eingehend untersucht worden und auch noch der Gegenstand aktueller Forschung. Einen (nicht-wissenschaftlichen) kurzen Überblick über die Entstehung der deutschen Sprache sowie detailliertere Informationen über das Brummeskerscher Platt und sein Verhältnis zu den anderen Dialekten in Deutschland gibt Ihnen im Folgenden Dr. Eric Mankel.
Deutsch, Englisch, Polnisch, Griechisch, Persisch oder das indische Sanskrit – alle diese Sprachen besitzen einen gemeinsamen Ursprung, nämlich die sogenannte „indogermanische Protosprache“, die vor rund 5000 bis 6000 Jahren vermutlich im Schwarzmeerraum und im anatolischen Hochland der heutigen Türkei gesprochen wurde. Sehr viele heutige europäische Sprachen stammen von diesem Ur-Indogermanischen ab. Zur indogermanischen Sprachfamilie gehören unter anderem die romanischen Sprachen wie Französisch und Spanisch, die slawischen Sprachen wie Russisch oder Tschechisch und eben die germanischen Sprachen wie Englisch und Deutsch (nicht aber beispielsweise Türkisch, Ungarisch oder Finnisch, die anderen Sprachfamilien, wie dem Altaischen oder der Finno-Ugrischen Sprachfamilie zuzuordnen sind). Die indogermanische Protosprache an sich ist ausgestorben, konnte allerdings in ihrer Schriftform anhand der heute noch lebenden indogermanischen Sprachen erfolgreich rekonstruiert werden. Als die am engsten mit der Protosprache verwandte lebendige Sprache gilt das Litauische aus dem baltischen Sprachzweig – auch wenn die Unterschiede enorm sind und eine gegenseitige Verständigung unmöglich wäre. Die indogermanischen Sprachen zeichnen sich durch eine Vielzahl von Gemeinsamkeiten in Grammatik und Satzbau aus, beispielsweise die oftmals verwendete Vergangenheitsbildung mit den Worten „haben“ oder „sein“ in einer Partizipalkonstruktion (z.B.: „Ich habe gegessen.“ oder „Ich bin gegangen.“). Die indogermanische Sprachenfamilie ist heutzutage die größte weltweit. Ihre Sprachen werden von ca. 3 Milliarden Personen gesprochen.
Deutsch, Englisch, Polnisch, Griechisch, Persisch oder das indische Sanskrit – alle diese Sprachen besitzen einen gemeinsamen Ursprung, nämlich die sogenannte „indogermanische Protosprache“, die vor rund 5000 bis 6000 Jahren vermutlich im Schwarzmeerraum und im anatolischen Hochland der heutigen Türkei gesprochen wurde. Sehr viele heutige europäische Sprachen stammen von diesem Ur-Indogermanischen ab. Zur indogermanischen Sprachfamilie gehören unter anderem die romanischen Sprachen wie Französisch und Spanisch, die slawischen Sprachen wie Russisch oder Tschechisch und eben die germanischen Sprachen wie Englisch und Deutsch (nicht aber beispielsweise Türkisch, Ungarisch oder Finnisch, die anderen Sprachfamilien, wie dem Altaischen oder der Finno-Ugrischen Sprachfamilie zuzuordnen sind). Die indogermanische Protosprache an sich ist ausgestorben, konnte allerdings in ihrer Schriftform anhand der heute noch lebenden indogermanischen Sprachen erfolgreich rekonstruiert werden. Als die am engsten mit der Protosprache verwandte lebendige Sprache gilt das Litauische aus dem baltischen Sprachzweig – auch wenn die Unterschiede enorm sind und eine gegenseitige Verständigung unmöglich wäre. Die indogermanischen Sprachen zeichnen sich durch eine Vielzahl von Gemeinsamkeiten in Grammatik und Satzbau aus, beispielsweise die oftmals verwendete Vergangenheitsbildung mit den Worten „haben“ oder „sein“ in einer Partizipalkonstruktion (z.B.: „Ich habe gegessen.“ oder „Ich bin gegangen.“). Die indogermanische Sprachenfamilie ist heutzutage die größte weltweit. Ihre Sprachen werden von ca. 3 Milliarden Personen gesprochen.
Deutsch, Englisch, Polnisch, Griechisch, Persisch oder das indische Sanskrit – alle diese Sprachen besitzen einen gemeinsamen Ursprung, nämlich die sogenannte „indogermanische Protosprache“, die vor rund 5000 bis 6000 Jahren vermutlich im Schwarzmeerraum und im anatolischen Hochland der heutigen Türkei gesprochen wurde. Sehr viele heutige europäische Sprachen stammen von diesem Ur-Indogermanischen ab. Zur indogermanischen Sprachfamilie gehören unter anderem die romanischen Sprachen wie Französisch und Spanisch, die slawischen Sprachen wie Russisch oder Tschechisch und eben die germanischen Sprachen wie Englisch und Deutsch (nicht aber beispielsweise Türkisch, Ungarisch oder Finnisch, die anderen Sprachfamilien, wie dem Altaischen oder der Finno-Ugrischen Sprachfamilie zuzuordnen sind). Die indogermanische Protosprache an sich ist ausgestorben, konnte allerdings in ihrer Schriftform anhand der heute noch lebenden indogermanischen Sprachen erfolgreich rekonstruiert werden. Als die am engsten mit der Protosprache verwandte lebendige Sprache gilt das Litauische aus dem baltischen Sprachzweig – auch wenn die Unterschiede enorm sind und eine gegenseitige Verständigung unmöglich wäre. Die indogermanischen Sprachen zeichnen sich durch eine Vielzahl von Gemeinsamkeiten in Grammatik und Satzbau aus, beispielsweise die oftmals verwendete Vergangenheitsbildung mit den Worten „haben“ oder „sein“ in einer Partizipalkonstruktion (z.B.: „Ich habe gegessen.“ oder „Ich bin gegangen.“). Die indogermanische Sprachenfamilie ist heutzutage die größte weltweit. Ihre Sprachen werden von ca. 3 Milliarden Personen gesprochen.
Das heutige Standarddeutsch hat sich nach dem Dreißigjährigen Krieg aus im mitteldeutschen Raum beheimateten hochdeutschen Dialekten entwickelt und war ein Kunstprodukt der damaligen Zeit. Einen nicht unerheblichen Einfluss hatte die von Martin Luther bei seiner Bibelübersetzung verwendete sächsische Kanzleisprache, auf der auch unsere moderne Schriftsprache beruht. Als das akzentfreieste Hochdeutsch gilt heutzutage die aus dem hannöverschen Raum stammende Varietät des Deutschen. Die dort ursprünglich beheimateten Mundarten erscheinen aus diesem Grund heute verschwunden. Noch im 19. Jahrhundert galt (für uns heutzutage kaum vorstellbar) das sogenannte „Prager Deutsch“ als akzentfreiste Varietät.
Im Vergleich zu den anderen Sprachen des germanischen Sprachzweiges wie Englisch oder Schwedisch aber auch zum romanischen Sprachzweig hat das Standarddeutsche eine relativ hohe Anzahl grammatikalischer Feinheiten der indogermanischen Vorgängersprachen bewahrt. Hier ist vor allem der hohe Flexionsgrad bei Artikeln und Adjektiven mit z.B. vier Fällen, drei Geschlechtern und einer relativ starken Unterscheidung von bestimmten und unbestimmten Formen zu nennen, der insbesondere für nicht-Muttersprachler die Suche nach der richtigen Endung zum Glücksspiel werden läßt. Im Vergleich zu anderen germanischen Sprachen ist auch der Flexionsgrad bei Verben relativ hoch. Dies ist auch der Grund, warum z.B. das Erlernen von Englisch von vielen Deutschen als leicht, im umgekehrten Fall das Erlernen von Deutsch von anderssprachigen Personen als schwierig empfunden wird. Eine Besonderheit im Deutschen ist die Stellung des Partizip Perfekt am Satzende und die damit verbundene Trennung vom Hilfsverb (z.B. deutsch: Ich habe meine Schuhe unter dem Bett gefunden. – englisch: I have found my shoes under the bed. – französisch: J’ai trouvé mes chaussures sous le lit.). Dies macht Simultanübersetzungen aus dem Deutschen aufgrund des zeitlichen Versatzes bei der Bedeutungsfindung äußerst beschwerlich.
Auch wenn uns heutzutage unsere Sprache statisch erscheint, entwickelt sie sich ständig weiter. Seit Jahrhunderten werden Worte aus fremden Sprachen in das Deutsche entlehnt und erscheinen uns heute vertraut. Solche Worte sind beispielsweise Marmelade (aus dem Spanischen), Alkohol (aus dem Arabischen), Gurke (aus dem Polnischen), Joghurt (aus dem Türkischen) oder Kutsche (aus dem Ungarischen). Dieser Prozeß hält ununterbrochen an. Zwei prominente moderne Entwicklungen sind neben grammatikalischen Veränderungen die seit einigen Jahrzehnten stattfindende Übernahme von Anglizismen in den deutschen Wortschatz (z.B. Computer, Chips, Fan, Download) oder die Entwicklung von englisch erscheinenden Kunstworten (z.B. Handy*, Beamer*, googeln).
*Hierzu zwei kuriose Anmerkungen: Das Wort „Handy“ existiert als Substantiv im Englischen nicht und wird von angelsächsichen Muttersprachlern als Adjektiv mit der Bedeutung „geschickt“ oder „handlich“ verstanden. Das Mobiltelefon wird in Großbritannien als „mobile“ und in Amerika als „cell phone“ bezeichnet. Das Wort „Beamer“ bezeichnet in Amerika einen BMW! Das Projektionsgerät wird im Allgemeinen „projector“ genannt.
Bromskirchen liegt sehr nahe an einer Sprachgrenze, der so genannten „Benrather Linie“, die die hochdeutschen (lautverschobenen) und die niederdeutschen (nicht-lautverschobenen) Mundarten voneinander trennt. Diese Sprachgrenze verläuft ungefähr von Aachen über Köln, Kassel, Magdeburg, Berlin bis nach Frankfurt (Oder). Südlich dieser Linie wird das Verb „machen“ hochdeutsch mit „ch“ ausgesprochen, nördlich davon niederdeutsch mit „k“ (maken). Das Bromskircher Platt an sich gehört dabei zu den hochdeutschen Mundarten und wird hierbei zu der Gruppe der rheinfränkischen Dialekte gezählt, deren Sprachraum sich über den größten Teil von Hessen bis in die Kurpfalz erstreckt. Auch wenn innerhalb dieses Gebietes eine große Variation in der Aussprache der Vokale und in der Sprachmelodie herrscht, so gleichen sich doch viele Worte. Beispielsweise sagt man in Bromskirchen ebenso „Appel“ zu „Apfel“ und „Pund“ zu „Pfund“ wie in Gießen, Frankfurt oder Mannheim. Ein großer Unterschied besteht jedoch zu den Mundarten nördlich der Benrather Linie (im benachbarten Sauerland), wo das Niederdeutsche in Worten wie „wat“ (was), „dat“ (das) oder „laopen“ (laufen) viel stärker hervortritt.

Die „Benrather Linie“ (rot markiert) als Sprachgrenze zwischen den niederdeutschen und den hochdeutschen Mundarten. Bromskirchen mit seinem Platt liegt eng auf der südlichen Seite dieser Linie.
Innerhalb der rheinfränkischen Dialektgruppe, die die südöstlichste Gruppe des sogenannten „Rheinischen Fächers“ ist, gehört das Bromskircher Platt wiederum zu den mittelhessischen Mundarten und grenzt sich damit deutlich von den südhessisch-pfälzischen Dialekten im Rhein-Main-Gebiet ab. Schon zum benachbarten Edertal hin bestehen deutliche Unterschiede bei den Vokallängen, z.B. wird hochdeutsch „Kuchen“ in Bromskirchen „Küüchen“ (lang), im Edertal „Küche“ (kurz) ausgesprochen. Ebenso ist es bei „eingeladen“. In Bromskirchen sagt man „enngeloaden“ (langes offenes o), im Edertal „engelott“ (kurzes offenes o). Mit den im Allgemeinen als „Hessisch“ bezeichneten südhessischen Mundarten hat das Bromskircher Platt wenig klangliche Gemeinsamkeiten.
So wie in anderen Mundarten auch haben sich im Bromskircher Platt Wörter erhalten, deren Wortwurzel sich von der Wortwurzel des entsprechenden standarddeutschen Wortes unterscheidet. Hinwiese auf die im Platt verwendete Wortwurzel finden sich allerdings manchmal in anderen europäischen Sprachen. Dies ist beispielsweise bei dem Plattwort „äsdemiern“ der Fall, was „(wert-)schätzen“ oder „würdigen“ bedeutet. Die Wurzel liegt im lateinischen Wort „aestimare“ („schätzen“) und ist sehr deutlich in dem französischen Verb „estimer“ oder im englischen „to estimate“ zu erkennen (dort allerdings mit der Bedeutung „abschätzen“). Andere Beispiele sind „Forke“ für (Heu-)gabel, dessen Wortwurzel im englischen „fork“ oder im französischen „fourchette“ wiedererkennbar ist, sowie das Wort „Jast“ für Hefe, die im Englischen mit „yeast“ bezeichnet wird. Vermutlich aus napoleonischer Zeit finden sich einige französische Lehnwörter im Bromskircher Platt wie „Schosse“ (Straße – chaussée) oder Schässlong (Sofa – chaise longue). Hier liegt auch der Ursprung der Bezeichnung „Ausrappeler“ für den Ortsdiener. Auf Französisch bedeutet „rappeler“ bzw. „appeler“ „erinnern“ bzw. „rufen“: Der „Ausrappeler“ ist der „Ausrufer“. Ein Kuriosität in unserem Platt sind die aus dem Jiddischen entlehnten Wörter wie „Betzel“ und „Jippe“ für Mütze und Jacke, die nur in unserer Region verstanden werden.
Im Gegensatz zum süddeutschen Raum werden Mundarten in unserer Region von immer weniger Menschen aktiv gesprochen. Zumeist ist dies die ältere ortsgebundene Generation. Ein Anstoß für diese Entwicklung war sicherlich die in unserem Raum in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchgeführte Schulreform, nach der auf Standarddeutsch (anfangs als Fremdsprache!) unterrichtet werden musste. In anderen deutschen Staaten fand diese Reform oftmals erheblich später statt, weswegen die örtlichen Mundarten in diesen Gebieten heute noch präsenter sind. Aber auch moderne Entwicklungen wie steigende Mobilität und Globalisierung führen zum Zurückweichen der regionalen Identitäten. Die jüngeren Leute können den Dialekt oft noch verstehen, sind aber nicht mehr sprachsicher. Platt wird deshalb mittelfristig in unserem allgemeinen Sprachgebrauch nicht mehr existieren. Ob diese Situation zu bedauern ist, sei dahingestellt. Für eine hinreichende berufliche Qualifikation ist es heute oftmals wichtiger, Weltsprachen wie Englisch zu beherrschen als heimische Dialekte. Dennoch ist es in unserer modernen Welt unverändert wichtig, seine angestammten Wurzeln auch in sprachlicher Hinsicht nicht zu vergessen. Hierzu sollen die Mundartaktivitäten des Vereins Historisches und Kulturelles Bromskirchen e.V. beitragen.
